Von E-Mails und anderen Nebenwirkungen einer Angina

Stell dir vor, dass du dich so richtig, richtig elendig fühlst. Dir tut alles weh, du hast Kopfschmerzen, Fieber, kannst nicht schlafen und wenn doch plagen dich Fieberträume. Dazu kommen Halsschmerzen, die so schlimm sind, dass du schon weinst wie ein kleines Baby, wenn du nur eine Schmerztablette oder Antibiotikum schlucken musst, von Wasser und Essen ganz zu schweigen. Du bist so krank, dass du sogar im Krankenhaus bist, wo man dich mit Flüssigkeit, Schmerzmitteln und Antibiotika nur so vollpumpt.

Genau so erging es mir den ganzen März.

Meine Angina ist doch tatsächlich so ausgeartet, dass ich mein Wochenende erst im Chelsea and Westminster Hospital und dann im Charing Cross Hospital verbracht habe.
Grundsätzlich waren das wohl noch die erträglichsten Tage während meiner Angina. Man hat mich so unter Drogen gesetzt, dass ich einfach nur die Ruhe selbst war, nachdem die Schwester dann endlich einen Zugang gelegt hatte. Die Gute hat ungelogen über 20 Minuten gebraucht, weil meine Venen einfach winzig sind. Ihr sei aber vergeben, da sie einen wirklich unverschämt attraktiven und jungen Arzt im Gepäck hatte.
Außerdem hat sie mir die wohl witzigsten Krankenwagenfahrer geangelt – Lee und Lloyd. Ich durfte Musikwünsche äußern während der Fahrt, ich habe eine Decke bekommen und sogar als ich schon 3 Stunden in meiner, durch Gardinen abgetrennten, Kabine der Notaufnahme saß, haben sie sich immer wieder zu mir gesetzt für einige Minuten, wenn sie mal wieder jemand neuen eingeliefert hatten. Außerdem haben die beiden mir den wohl unterhaltsamsten Trunkenbold als Kabinennachbarn mitgebracht. Ich hab selten so gelacht – was wohl auch den Schmerzmitteln zuzuschreiben ist.

Auch meine Freundin hat sich gegen 23.00 Uhr noch zu mir gesellt und mich mit allem was das Herz begehrt versorgt. Zum Beispiel mit 8 Büchern. Das hätte sogar für eine Woche gereicht, aber es geht ja um die Geste, oder nicht? (An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön!) Bis 3.30 Uhr in der Früh haben wir beide noch den Anekdoten von Steve dem Trunkenbold gelauscht, auf meine Ärztin sowie ein Zimmer gewartet. Und nachdem sich meine Freundin zweimal mit einer Krankenschwester regelrecht angelegt hatte, gab es dann auch endlich ein freies Bett für mich in einem 4-er Zimmer.

Meine Zimmergenossen, wie soll ich sie beschreiben? Mir war eigentlich bloß die junge Frau links neben mir sympathisch. Der Rest meiner Zimmergenossinnen konnte kein Englisch sprechen und hatte die Sorte von Angehörigen, die sich ins Zimmer schlichen, wenn die Schwester den Raum verließ, nur um 2 Minuten später wieder hinausgeworfen zu werden, da keine Besuchszeit war. Aber zum Glück kam irgendeine helle Leuchte auf die Idee auch hier Gardinen rund ums Bett anzubringen. So blieb mir immerhin der Anblick all dieser Menschen erspart und ich konnte mir mithilfe meiner Kopfhörer zumindest für ein paar Minuten einreden, dass ich alleine bin.

Doch als ich dann Sonntags nach einer neunstündigen Wartezeit endlich meine Medikamente (bzw. die viel zu niedrig dosierte Hälfte dessen) bekommen hatte, konnte ich diesen Ort mitsamt Tropf und den typischen Nachtkleidern – modisch wie eh und je – endlich hinter mir lassen, nur um zurück daheim wieder alleine dahinzuvegetieren. Den Montag verbrachte ich dann alleine – wenn man von der Putzfrau absieht -, da meine Gastmutter morgens überstürzt abreisen musste.

Und da stand ich dann ein weiteres Mal vor dem Kühlschrank. Dieses Mal war der Blick in den Kühlschrank noch deprimierender als sonst. In der gesamten Zeit, seit meinem Beginn im letzten Jahr, habe ich mich immer irgendwie mit dem Schicksal, dass mir von meiner Gastmutter fortwährend nichts anderes als labbriges Toastbrot mit  Butter und eventuell mal einer Scheibe Salami vergönnt war, abgefunden. Aber im Kühlschrank nichts anderes als Senf und verdächtig verdorben aussehende Reste einer Pilzsuppe zu finden, war dann sogar für die Verhältnisse in meiner Gastfamilie echt miserabel. 

Aber Gott sei Dank hab ich so hilfsbereite Freunde, die nach Ende der Arbeit noch losgehen, um mir eine Packung Eis zu kaufen. (Danke Betty! ❤️)

Am Dienstag hat der Vater meiner Gastkinder sich dann erkundigt, wann ich nach Deutschland fliegen möchte, um mich gründlich auszukurieren. Die Großeltern waren bereits angereist, um meine Pflichten vorübergehend zu übernehmen. Gesagt, getan. Eineinhalb Stunden später saß ich bereits mitsamt meiner Koffer und keuchend wie nach einem Marathon  auf der Rückbank eines Taxis, das mich in Richtung Flughafen brachte. 

Noch nie habe ich so viele mitleidige Blicke bekommen, bin von einer Stewardess alle 5 Minuten gefragt worden, ob es mir gut ginge oder habe mich jemals so hundsmiserabel gefühlt während eines Fluges. 

Meine Gedanken drehten sich bis zu meiner Ankunft daheim nur um mein Bett oder darum Leute böse nieder zu starren (mit einer hundertprozentigen Erfolgsquote). 

Nach circa einer Woche und einer minimalen Verbesserung meines Zustandes später… Nichtsahnend rufe ich meine E-Mails ab und „Oh!“, da war doch tatsächlich eine Nachricht vom Vater meiner Gastkinder. 

Diese lautete so ziemlich:

„Hallo Lisa,

Ich hoffe dir geht es langsam besser.

Jess (meine Gastmutter) und ich haben uns entschieden, dass wir nach einer neuen Nanny suchen, da *an dieser Stelle bitte eine super billige und vor allem unlogische Ausrede einfügen*.

Bla, bla, bla. 

Falls du jemanden kennst, der Interesse hätte (jetzt im Ernst Leute?!), bla, bla, blaaaaa.

Erhol dich noch gut. 

Mit freundlichem Gruß, 

… “

Mein erster Gedanke war zugegeben nicht: ‚Oh nein!‘ Es war nicht mal mein zweiter. [Prioritäten setzten kann ich.]

Erster Gedanke: ‚ *Schimpfwörter* Wie schaffe ich es jetzt auf das Konzert meiner Lieblingsband?! *mehr Schimpfwörter* *noch mehr Schimpfwörter* ‚

Zweiter Gedanke: ‚Endlich bin ich diesen beschissenen Job los!‘

[Nein, ich werde mich nicht für diese Wortwahl entschuldigen.]

Dritter Gedanke: ‚Eine E-Mail? Geht’s vielleicht noch respektloser? Warum nicht gleich eine WhatsApp Nachricht?‘

Und so kam es, dass ich weitere 2 Wochen später für einen Tag nach London flog (auf Kosten des Vaters versteht sich), um meine Sachen zu packen und mich zumindest von einem Bruchteil meiner engsten Freunde zu verabschieden. 

Zurück in Deutschland, erhole ich mich vom Pfeifferschen Drüsenfieber (und nein, das bekommt man nicht nur vom rumknutschen – wobei ich das einer Mandelentzündung definitiv vorgezogen hätte), versuche alles noch zu verdauen und mich wieder einzuleben. Auch wenn das nicht immer so leicht ist. An manchen Tagen, da überkommt mich einfach das Heimweh, weil ich mein zweites Zuhause London und meine engsten Freunde dort vermisse, gerade weil ich mich nicht ausreichend verabschiedet konnte und ein Teil meines Herzens immer dort bleiben wird. Und an anderen Tagen fühle ich mich, als wüsste ich nicht mehr wo ich hingehöre und als wäre ich verloren gegangen zwischen dem Trubel der Millionenstadt und dem Landleben, zwischen High Heels und Gummistiefeln, zwischen zwei Orten, die „sich zu Hause fühlen“ bedeuten. 

Doch trotz allem könnte ich nicht dankbarer sein für alles. Ich habe viel über fremde Kulturen erfahren können, bin gereist, habe so viel über mich selbst gelernt und all diese unglaublichen wundervollen Menschen treffen dürfen!


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50 shades of exhaustion

Hallo mein Lieben, da bin ich wieder! (Dieses Mal hat’s auch keine drei Monate gebraucht, also Applaus für mich.)

Wie der ein oder andere vielleicht mitbekommen hat, bin ich gerade erst aus den Weihnachtsferien zurück. Seit Sonntag um genau zu sein.

Aber erstmal ein kleiner Rückblick in die Vorweihnachtszeit…

Was soll ich sagen, vor Weihnachten war der übliche Trubel los, was so viel heißt wie: Geschenke müssen her. Achja, das ist doch jedes Jahr aufs neue ein Spaß (auf den ich auch verzichten könnte), vor allem in London. Aber was tut man nicht alles um sich Traditionen zu fügen und Familie sowie Freunden ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Also habe ich mich mutig wie Hercules in die Schlacht gewagt – oder in meinem Fall ins Einkaufszentrum. Und man mag es kaum glauben, aber ich habe es überlebt, auch wenn ich ein paar Ellenbogenstöße und Tritte gegen mein Schienbein und auf die Zehen in Kauf nehmen musste. (Ich bitte erneut um Applaus.)

Nachdem also diese Hürde größtenteils unversehrt genommen wurde, war auch gleich die nächste in Sicht. Und wenn ich das so sagen darf, dann war dass die schlimmste für alle von uns (also meinen Mädels und mir) – Angies Abschied.
Ihr müsst wissen, dass Angie nicht nur zu einer meiner besten Freundinnen geworden ist, sondern das sie quasi der Denkerkopf unserer Runde war. Mit ihr waren wir einfach die perfekte Mischung. Der Denkerkopf, die Zuspätkommerin (wobei die anderen sowieso immer übertreiben), die Quasselstrippe (ich hab gelernt das ein ganzer Satz auch als ein unendlich langes Wort ausgesprochen werden kann, also ohne Pause, Luftholen, Punkt, Komma oder Lehrzeichen), die schicke Muttersprachlerin aus Wales und die Spontane, die am Ende jeder Party am betrunkensten ist. Und jetzt fehlt uns der wichtigste und zugleich auch einer der wirklich unterhaltsamen Teile. Die Hälfte aller Insider Witze versteht keiner mehr, ich kann niemandem einfach hinterherlaufen und mich darauf verlassen am richtigen Ort anzukommen (die anderen sind hoffnungslose Fälle) und es gibt auch keine Vormittagsspaziergänge mit ihrem Hund mehr. Ach und GTA an einem verregneten Sonntag mehr. [Angie, ich hab noch nie so gerne mit jemandem einen Krankenwagen geklaut und ihn zu Schrott gefahren.] Ihr könnt euch also vorstellen wie sehr wir alle sie momentan vermissen.
Aber im Februar haben wir sie zumindest für ein ganzes Wochenende zurück, wenn es für ein Geburtstags-Wochenende nach New Castle geht.

Danach stand eigentlich nur noch der Abreisetag an, wo ich mit meiner Gastfamilie ein paar Kleinigkeiten zu Weihnachten ausgetauscht habe und alles ganz ruhig verlief.

Nicht.

Natürlich musste sich noch irgendein Drama am letzten Tag ereignen, was ja nicht anders zu erwarten war. So kam es das alles ruhig verlief bis zum Geschenke vergeben – zu ruhig, verdächtig ruhig. Quasi die Ruhe vor dem Sturm, der in Form von einem Gastkind kam, dass mein neues Parfum überschwänglich an sich riss, um es dem Geschwisterchen zu zeigen und ihm dabei natürlich genau ins Auge gesprüht hat statt auf das Handgelenk. Das nenne ich zielsicher treffen. Aber das Leben soll ja auch spannend bleiben.

Aber wie sagt man so schön: „Bis zur Hochzeit ist alles wieder gut!“ Oder in diesem Fall eine halbe Stunde später schon.

So habe ich mich dann nach den obligatorischen Weihnacht- und Neujahrswünschen dann endlich auf den Weg zum Flughafen machen können. Dort angekommen war die Freude besonders groß, denn wie hätte es auch anders sein können, war natürlich ausgerechnet mein Flug verspätet – 1,5 Stunden. An manchen Tagen liebe ich das Leben so richtig. Aber mein Glück mit pünktlichen Flügen war schon immer auf ein Minimum begrenzt, also Schwamm drüber.

Mich erwarteten danach drei frostige, eiskalte – und wenn ich eiskalt sage, dann meine ich EIS-fucking-KALT – Wochen mit Schnee und allem drum und dran. Das Highlight waren definitiv die -17°C, vor allem wenn man bedenkt, dass wir in London bei meiner Abreise noch +13°C hatten. Gefühlt bin ich nicht nach Deutschland sondern in die Antarktis gereist. Und auch wenn mir der Abschied von Freunden und Familie für einen Moment echt schwer gefallen ist, war ich dann doch froh wieder das Londoner Klima genießen zu können. (Übrigens hat es heute geschneit, dass ist etwa so cool wie alle Weltwunder zusammen. Ich meine SCHNEE in LONDON.)

Und meine Freude hielt auch bei meiner Ankunft an, denn ich wurde stürmisch begrüßt, man hat mir Koffer und Tasche abgenommen und mir ein Souvenir überreicht. Super süß, oder?

Doch kurz darauf entschloss ich mich ein Nickerchen zu machen, da ich die zuvor nur 2 h Schlaf abbekommen habe und mich dementsprechend wie der Tod auf Latschen gefühlt habe. Gesagt, getan! Und ich glaub ich habe keine zwei Sekunden gebraucht um ins Land der Träume abzudriften für einige Stunden. Das war zumindest der Plan. Mit super süß war nämlich Schluss als ich alle fünf Minuten geweckt wurde mit der Aussage: „Ich wollte nur mal schauen was du so machst.“

Nach einer halben Stunde hab ich aufgegeben. Stattdessen hab ich meine 50 shades of exhaustion unter den Augen so gut es geht abgedeckt und mich mit Freunden getroffen. Was im Endeffekt eine gute Entscheidung gewesen, weil ich, nachdem einer meiner Freundinnen 3 Plastik Weingläser hat mitgehen lassen (dafür übernehme ich nicht die Verantwortung), ganz zum Ende des Abends noch ins Kino eingeladen wurde.

Das war’s dann auch erstmal soweit mit meinem Update.

PS: Mein Gastkind hat heute zum Geburtstag einen Tischkicker bekommen. Ich glaube, dass ich mich insgeheim mehr gefreut habe als er.

„Woll’n wir nach Hamburg?“ – „Joa, lass‘ ma‘ machen“

Treptower See mit den Süßen

Happy New Year

Der Pokéball mit dem ein Gastkind das andere fangen wollte

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Welcome To Big Brother!

Also…EIGENTLICH hatte ich den neuen Blogpost ja schon so gut wie fertig, ABER dann meinte meine WordPress App, dass sie das ganze eigenhändig löschen darf. Ich kann also im Prinzip gar nichts dafür, dass jetzt erst was kommt. Das Schicksal wollte es einfach nicht anders.

Okay, also der Teil mit dem Löschen des letzten Blogposts stimmt tatsächlich. Der Rest…naja, das ist dahingefaselter Stuss – also wie immer eigentlich.

Wie es mir so ergangen ist in der Zwischenzeit? Ich geb euch einfach mal eine relativ kurze Zusammenfassung mit ein paar Schnappschüssen und furchtbaren Selfies.

Vor kurzem (das war denke ich im Oktober) waren wir in Greenwich und haben uns bei Sonnenschein von diesem Ausblick berieseln lassen.Das war echt schön. Bis irgendwo in der Ferne ein brennendes Gebäude zu sehen war (Entwarnung: es geht allen damals Betroffenen gut laut Pressebericht) – aber ich hab schon schlimmeres gesehen hier. Nichts desto trotz war es ein wirklich schöner Tag mit meinen Mädels.

 

Dann war da noch mein 20. Geburtstag. Und meine Mädels haben sich wirklich Mühe gegeben und mir den Tag so gut es geht zu versüßen.

[Herrjemine, gerade fällt mir erst wieder auf, was für Schwierigkeiten mir deutsche Grammatik, Rechtschreibung und Satzbau doch bereiten. Holla die Waldfee!]

Ich wurde zum Lunch ausgeführt und abends war dann die gesamte Gruppe beisammen für Dinner & Drinks. Zwischen Cider, versauten Witzen, Geschenken und meinem tollen glitzernden Ballon habe ich schließlich auch noch das Accessoire schlechthin bekommen – einen Button mit der Aufschrift „Happy Birthday“, der beinahe die Größe meines Kopfes hatte und ebenfalls geglitzert hat. Getoppt wurde das ganze nur, als ich das olle Ding nicht mal mehr abnehmen durfte. Es war also nicht verwunderlich, dass mir fremde Leute zu meinem Geburtstag ein Ständchen gesungen haben in meinem Lieblingspub.

Doch weiter im Text – als nächstes stand Halloween an…

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Halloween ist in meiner Gastfamilie ein wirklich großes Ereignis, da verkleiden sich sogar die Eltern, wenn sie mit ihren Kindern um die Häuser ziehen, das Haus wird in künstliche Spinnweben und Spinnen gehüllt und jeder einzelne Kürbis wird in ein reinstes Kunstwerk verwandelt.

Ich hab’s dann doch eher einfach gehalten und mich in einen Blutsauger in Partystimmung verwandelt, der stattdessen die Church unsicher macht. Der Plan wurde auch super erfüllt und mal wieder habe ich neue Accessoire nach Hause gebracht – dieses mal eine Plastikaxt mit Kunstblut.

 

Dann hat natürlich  noch eines der größten Events wieder Einzug in London genommen – das Winter Wonderland. Als0 für Deutsche in London ist es wie ein Paradies. Das ist quasi eine Mischung aus Weihnachtsmarkt und Martini Markt, überall sind Buden mit den typischen Naschereien oder Stände an den allerhand Zeugs verkauft wird. Der definitiv beste Part ist jedoch definitiv das Bavarian Village, vergleichbar mit einer Art Mini Oktoberfest. Einfach herrlich! Da hab ich mir auch gleich mal den ersten Glühwein dieses Jahr gegönnt.

Vor kurzem war ich dann noch für einen Tag in Deutschland aufgrund eines Einstellungstests und hab dann den restlichen Tag genutzt, um mich von meinen zwei Männern daheim (Vater und Bruder) verwöhnen zu lassen.

Und auch wenn ich wie mich wie ein Penner gefühlt habe, als ich da so ewig auf dem Fußboden gehockt habe am Flughafen Berlin Schönefeld (Leute, habt ihr schon mal was von Sitzmöglichkeiten wie Stühlen oder Bänken gehört???), weil mein Flug erstmal eine schöne Verspätung hatte (mein Beileid an all die, die 6h warten mussten), so konnte ich dennoch diesen Ausblick dafür genießen. Natürlich ist diese suboptimale Qualität nicht annähernd mit dem echten Ausblick zu vergleichen gewesen.

Doch auch jeder noch so schöne Ausblick kann einen nicht wach halten, wenn man schon seit 2 Uhr morgens auf den Beinen ist. Und als wäre die Verspätung (inklusive fehlender Sitzmöbel) nicht schon anstrengend genug gewesen, durfte ich nach meinem Nickerchen, das äußerst förderlich für meine Nackenverspannung war *Applaus, Applaus*, dann auch noch feststellen, dass der Flug selbst auch noch eine Verspätung zufolge hatte. An sich nicht weiter schlimm, wenn ich nicht – aus mir noch immer schleierhaften Gründen – einen Flug nach Gatwick gebucht hätte. Für alle Unwissenden: Gatwick liegt außerhalb von London. Demzufolge musste ich also einen Bus erwischen, der nicht warten würde. Und an dieser Stelle möchte ich bitte tobenden Applaus und eine la-ola-Welle, weil ich es innerhalb von 10 Minuten aus dem Flugzeug, vorbei an furchtbar langsamen Fluggästen, durch ein Labyrinth von einem Flughafen samt Passkontrolle, Laufbändern und Aufzügen, geschafft habe meinen Bus rechtzeitig zu erreichen. Dafür halten mich jetzt jedoch mindestens 127 Leute für total verrückt.

Zurück in London wurde ich dann wieder von der weihnachtlichen Stimmung in Beschlag genommen, aber da sagt man auch im November nicht nein bei so vielen hübschen Lichtern. Zumindest ich nicht.

Und wie sich anhand der Bilder erkennen lässt, bin ich ziemlich häufig beim Winter Wonderland, wenn ich nicht gerade 4 Nächte am Stück babysitten muss.

Was sagt ihr eigentlich zu meinem neuen Plüsch-Rentier? Knuffig, oder?

Oh ja, und dann war da noch der Columbia Road Flower Market letzten Sonntag. Selbst im November/Dezember ist der noch die reinste Pracht. Da hab ich auch gleich eine der pflegeleichtesten Wunderblumen ergattert – ihr Name ist Thomas. Bevor jetzt irgendwer dumm fragt, alle meine Blumen haben Namen.

Warum ich mir eine Pflanze gekauft habe? Naja, Engländer und scheinbar auch eingewanderte Niederländer haben es einfach so ganz und gar nicht mit dem Grünen Daumen, wie es scheint. Und um mal etwas lebendiges in diese mit Kunst vollgestopften vier Wände zu bringen, habe ich eben Thomas als Familienzuwachs mitgebracht.

Wie dem auch sei, das war soweit der Überblick über die wichtigsten Ereignisse der letzten zwei Monate. Diese Woche gab’s nicht so viel überwältigendes, wenn man mal davon absieht, dass ich meinen Arbeitsplatz in die Wohnung des Vaters der Kinder verlegt habe. Das war vielleicht ein Spaß. Ich hab noch nie so eine Hightech Wohnung gesehen. Alles funktioniert mit Knöpfen, über den Touchscreen, per Sensor, Fernbedienungen oder wird über eine App auf dem iPad gesteuert.

Ich war ja schon nach den ersten zehn Minuten hinüber. Stellt euch vor, da war ich gerade in der Wohnung und bekomme eine Nachricht von meinem Gastvater, dass er GESEHEN hat, dass ich gerade heim gekommen bin mit den Kindern und dass er auch gleich zu uns stößt.

Auf meine Frage wie er das bitte ‚gesehen‘ hat, antwortete er nur:

‚Welcome to Big Brother‘

Mal abgesehen davon, dass ich  nicht wusste, dass Niederländer Big Brother kennen, wusste ich nicht, ob das jetzt eher gruselig oder witzig ist. Ich hab mich fürs Lachen entschieden nachdem ich mich argwöhnisch umgesehen habe.

Es hat sich herausgestellt, dass sich am Eingang vor dem Gebäude eine Kamera befindet, die jeden filmt der hinein oder heraus möchte, genauso wie im Fahrstuhl.

Das war’s dann aber auch schon soweit. Bis Bald meine Menschenkinder!

 

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London Part 2

Alleine der Fakt, dass ich eben auf Englisch drauf los schreiben wollte, zeigt doch schon wie wenig Zeit es mich gekostet hat, um mich wieder wie daheim zu fühlen und anzukommen. Ich fühle mich sogar so wohl, dass ich glatt vergessen habe, mal wieder etwas von mir hören zu lassen. Dabei hab ich doch noch kurz vor meinem Abflug geschworen, dass jetzt regelmäßig etwas kommen soll – im Nachhinein betrachtet, war das echt ein guter Witz. 🙈


Aber jetzt mal zurück zum eigentlichen Thema: ich bin zurück in London. Seit einem Monat nenne ich nun schon das wunderschöne Fulham mein Zuhause. Und ja ich weiß, so klang das damals in Chelsea auch schon, aber da gibt’s einen Unterschied. Chelsea ist schön auf die Art, dass man weiß die Leute mögen es groß, luxuriös und strahlend weiß (sodass man beim Anblick der Häuserfassaden fast erblindet). Fulham hingegen ist zwar ebenfalls eine Gegend für recht wohlhabende Leute, jedoch nicht auf so offensichtliche Weise. Man merkt den Menschen noch ihre Bodenständigkeit an und alles ist ein wenig familienfreundlicher gehalten, doch ohne dabei an Stil zu verlieren. Dazu kommt, dass fasst alle meine Freunde in Fulham wohnen und die Nähe zu Parks, der Themse und meinem Lieblingspub einfach unschlagbar ist.


Auch meine Gastfamilie hat sich bisher sehr positiv gezeigt. Dieses Jahr lebe ich bei einer Mutter, die getrennt von ihrem (noch) Ehemann und Freund lebt, und ihren zwei Kindern Luke (5) und Lara (7). Der Unterschied zwischen Teenagern und Grundschülern ist zwar schon deutlich, aber Spaß habe ich trotzdem! Außerdem sind meine Arbeitszeiten so anders geregelt, was ich persönlich als Pluspunkt empfinde!

Ich habe auch schon einige Abenteuer erlebt. Neulich zum Beispiel wurden Angie und ich im Park eingeschlossen. Sagen wir es so, wir haben wahrscheinlich die einzige Schwachstelle der Parksicherung gefunden. 

Auch die erste Krankheitswelle hab ich schon erfolgreich mitgenommen. Und nein, eine einfache Erkältung hat es natürlich nicht getan. Das ist doch was für Anfänger! Ich hab mich lieber gleich für eine richtig wunderbare Mandelentzündung der allerbesten Sorte entschieden. Ich hab sogar die Krankenschwester hat ausgiebig ihr Mitleid bekundet und mir dann mitgeteilt, dass ich Glückskind den Rekord in der Kategorie ‚Schlimmste Mandelentzündung in den letzten 3 Wochen‘ gebrochen habe. Die Freude ließ sich kaum in Grenzen halten, wie man sich vorstellen kann.

Doch nachdem ich mich 10 Tage mit Penicillin vollgepumpt habe und das alle 6 Stunden, bin ich seit heute früh 7:30 endlich nicht mehr auf Medikamenten und fühle mich topfit. Das war übrigens auch alles ganz knapp, wenn man bedenkt, dass ich morgen schon meinen Wohltätigkeitslauf für Cancer Research UK anstehen habe. Dort werde ich mich mit einer Freundin einer Reihe von Matschhindernissen verteilt auf einer Strecke von 5K stellen. Das ganze macht Spaß und gleichzeitig können wir Menschen, die gegen Krebs ankämpfen und darunter leiden, etwas geben und sie unterstützen.


Der ein oder andere fragt sich jetzt wahrscheinlich wie es zu meiner Anmeldung gekommen ist… Meine Freundin Angie (die krankheitsbedingt leider von unserer Freundin Anni ersetzt werden muss) und ich haben uns schon länger nach einer neuen Herausforderung umgeschaut. Dass wir etwas für andere Menschen tun können, hat uns schließlich dazu gebracht, uns für den einen Lauf wie diesen zu entscheiden.

Warum wir speziell für Cancer Research UK laufen? Zu dem Zeitraum als wir uns für einen Lauf entscheiden mussten, hat eine in meinem Leben sehr wichtige Person gerade die Diagnose Krebs für ihren Großvater erhalten und somit hat das Thema auch mich sehr bewegt. Die Entscheidung war damit also leicht gefällt, wenn auch mit diesem weniger schönen ausschlaggebenden Ereignis im Hinterkopf.

Da mir dieser Lauf wirklich am Herzen liegt, möchte ich nun euch – meine Leser, Freunde, Verwandte und Bekannte – um Hilfe und Unterstützung bitten. Schon mit einer winzig kleinen Spende von 1 Pfund würdet ihr mir unglaublich in meinem kleinen persönlichen und noch viel mehr in dem unglaublich ermüdenden Kampf von vielen Erkrankten helfen.

https://www.justgiving.com/fundraising/lisaramoser


Wenn jeder von euch nur eine Kleinigkeit gibt, dann können wir zusammen etwas viel größeres bewirken. Alles was ihr braucht, ist der Wille etwas GROßARTIGES zu bewirken, ein wenig Herz und eine Kreditkarte oder eine Paypal Konto. Seid Teil unserer Armee, seid ein Pinker Soldat.

Join Cancer Research, be part of the pink army.

Let’s kick cancer’s butt!

Bis bald meine Herzis!

P.S. Morgen wird es definitiv ein paar Fotos von mir in sozialen Netzwerken zu finden geben auf denen ihr mich Matsch beschmiert bewundern könnt. Lasst euch das nicht entgehen!

 

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5 days left 

Hach, was sind die letzten 2 Monate doch  wieder schnell vergangen. Und so geht’s für mich in 5 Tagen dann auch schon zurück nach England. Dort wartet auch bereits eine neue Familie darauf mich zu begrüßen und ihr Leben mit mir zu teilen. Doch wie fühlt man sich so kurz vor dem zweiten Aufbruch eigentlich? 

Naja, klar da ist auf jeden Fall etwas Aufregung, dass ich in eine neue Familie komme, da die letzte spontan nach NY gezogen ist (falls das irgendwem entfallen sein sollte, weil das so super alltäglich ist, dass Leute auswandern). 

Dann etwas Nervosität, weil hey, NEUE FAMILIE. 

Es gibt natürlich auch ein tränendes Auge, denn ich werde keine Diskussionen mehr darüber führen, dass Kit mal wieder meine Zahnpasta benutzt und seine Freunde meinen teuren Conditioner geleert haben. Ich werde den Hunden auch keine verrückten Zöpfchen mehr machen mit Tallulah. Oder Kit mit dem nassen Schwamm drohen, damit er sein Geschirr in die Spülmaschine räumt, nur um ihn hinterher doch abzuwerfen. Oh und es wird auch keine ‚Gute Nacht‘-Rufe mehr von ihm und Misha durch die Wand geben. Und wer hält mich bitte über den neusten Tratsch der reichen Privatschüler auf dem Laufenden? Ja, einige Sachen werden mir schon fehlen 😢🙀

Meine Familie und den Haufen von chaotischen Idioten, die sich selbst meine Freunde nennen, werde ich natürlich auch vermissen. 

Doch weiß ich auch, dass dort drüben auch ein paar weitere meiner Liebsten auf mich warten. Und ich freue mich schon riesig, all die kleinen Trottelchen wieder in meine Arme schließen zu können und den einen oder anderen mit meinen geistreichen Feststellungen behelligen zu können. (Manchmal gebe ich aber auch wirklich herrlichen Stuss von mir 😂.) 

Momentan heißt es erstmal aber noch, mich auf London vorzubereiten. Und mich etwas klarer auszudrücken: Zeug kaufen das irgendwie mit soll und erst am Abend vorher packen, nur um festzustellen, dass ich wieder ein riesiges Paket nachschicken lassen muss. #firstworldproblems

Ansonsten lasse ich mich nochmal schön von allen verwöhnen. Ja, es hat schon seine Vorteile für längere Zeit nach London zu gehen. 😂😂

Bis die Tage, wenn ich endlich wieder aus London berichten kann! 

P.S.: kennt jemand einen guten Friseur? 😢

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Regenschirmpicknick 

Hallo, ich melde mich auch mal wieder aus dem Chaos des Umzugsjungles mit seltenen Tieren wie der bellenden Hummel!

Zur Zeit geht’s hier wirklich drunter und drüber, da meine Gastfamilie dem Umzugsplan mehr als hinterherhinkt. Das heißt meine letzten Tage werden nochmal richtig stressig 🙈
Womit wir zum wichtigsten Punkt kommen: mein Urlaub in Deutschland über den Sommer! Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich schon diese Woche fliege (die Woche fängt hier Sonntags an) und mein erstes Jahr, damit auch die Zeit in Chelsea, um ist. 

Gerade die letzten Wochen sind nochmal so schnell verflogen, dass einem fast schwindelig wird. Aber ich hab mein letztes Wochenende nochmal mit meinen Freunden verbracht und so richtig genossen. 

Gestern dachten wir uns, dass wir ja zum Abschluss nochmal in den Hyde Park gehen könnten, um neben dem Festivalgelände zu picknicken und dabei Florence and The Machine live zu hören. 

An sich klang das ganze nach einem super Plan, der Wetterbericht hat auch nur das beste vorausgesagt. Gesagt, getan, wir haben uns auf den Weg gemacht und als wir ankamen war alles perfekt. Musik stimmte, Cider und Snacks waren vorhanden, alle sind gekommen und die Sonne schien. Aber dass das mit der Sonne hier sehr trügerisch ist, haben wir ja schon oft genug gemerkt. Kurz gesagt: nach 5 Minuten hat es so sehr geregnet, als wollte man ein Weltuntergangsszenario nachstellen. 

Park nass, Decke nass, Tasche nass, ich nass. Aber wir waren tapfer und haben trotz allem wie alle anderen unter unserem Regenschirm oder in unseren Regencapes/Mülltüten ausgeharrt für eine halbe Stunde. Doch auch pitschepatsche nass hat sich die Stimmung nicht trüben lassen, denn die Sonne kam ja wieder und das war einer der Momente, an den man sich ewig erinnern können wird. Einzig und allein Ralf die Decke hat dumm aus der Wäsche geschaut und ist schließlich von und gegangen. 

Gekrönt wurde der Tag dadurch, dass mein Lieblingspub gestern Abend das Spiel Deutschland – Italien gezeigt hat und wir gewonnen haben!

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